Fragen und Antworten zur Vogelgrippe

Ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann, Ärztlicher Direktor der Klinik Schillerhöhe, Gerlingen  - das Gespräch führte Werner Waldmann.

 

Besteht die Gefahr, dass Menschen sich bei infizierten Tieren anstecken?

Diese Gefahr ist sehr gering. Am ehesten besteht sie noch bei Hühnern und Puten, weil diese, wenn sie erkrankt sind, so viele Viren ausscheiden, dass sich auch Menschen oder andere Tierarten infizieren können. Auch von Enten, Schwänen und Gänsen sollte man sich lieber fernhalten.

Ganz wichtig: Tote Vögel nicht berühren. Kinder sollten nicht an mit Vogelkot verunreinigten Stellen an Fluss- oder Seeufern spielen. Falls man doch einmal mit Vogelkot oder einem verendeten Vogel in Berührung gekommen sein sollte, Hände mit Seife waschen und verschmutzte Kleidung in die Waschmaschine stecken!

Katzen scheinen das Virus nicht auf den Menschen übertragen zu können; eine Infektion von Hunden hat es bisher noch nicht gegeben. Schweine, Rinder, Pferde sind ebenfalls nicht oder nur wenig gefährdet. Tauben können zwar an H5N1 erkranken, scheiden aber so wenige Viren aus, dass nach bisherigem Kenntnisstand keine Ansteckungsgefahr von ihnen ausgeht.

 Sollte man auf Geflügelfleisch und Eier jetzt lieber verzichten?

Das ist nicht notwendig – Durcherhitzen auf 70 Grad tötet die Viren ab. Eier und Geflügelfleisch sollten also nur gut durchgegart verzehrt werden. Auf Speisen mit rohen Eiern sollte man verzichten; denn durch diese kann das H5N1-Virus übertragen werden. Industriell produzierte Mayonnaise kann man aber bedenkenlos verzehren, denn bei der Herstellung wird das Flüssigei oder Eipulver so erhitzt, dass die Krankheitserreger absterben. Das gilt auch für Eierlikör.

 Ist unser Trinkwasser jetzt möglicherweise durch infizierte Wasservögel gefährdet? Und wie sieht es mit den Badeseen aus? Wird man dort, wenn das Virus weiter um sich greift, im Sommer überhaupt noch gefahrlos baden können?

 Sollte das Vogelgrippevirus in Brauchwasser oder Badessen gelangen, so wird es dort so stark verdünnt, dass das Ansteckungsrisiko gering ist. Das Sonnenlicht vertragen die Viren ebenfalls nicht und werden dadurch relativ schnell abgetötet.

 Welches sind die ersten Symptome einer Vogelgrippe beim Menschen?

Das erste Symptom ist meist plötzlich auftretendes Fieber, begleitet von Husten und Atemnot. Auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall treten häufig auf. Manchmal leidet man auch unter Hals-, Kopf- und Muskelschmerzen. Die Inkubationszeit – d.h. die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung – beträgt etwa vier Tage.

 Ist es empfehlenswert, Neuraminidasehemmer wie Tamiflu® oder Relenza® sicherheitshalber schon auf Vorrat zu kaufen?

Das Bundesgesundheitsministerium rät von einer solchen Bevorratung ab. Man sollte das Medikament auch nur einnehmen, wenn durch einen entsprechenden Test sicher nachgewiesen ist, dass man an Grippe erkrankt ist – also nur auf ärztliche Verordnung und nicht in „Eigenmedikation“. Es gibt durchaus auch relevante Nebenwirkungen, die man nicht ohne Not riskieren sollte.
Obwohl es bisher nur begrenzte klinische Erfahrungen aus Asien zu dem Einsatz dieser Medikamente bei dem Vogelgrippevirus vorliegen, geht man davon aus, dass es auch gegen Vogelgrippe wirkt. Es genügt jedoch, wenn man mit der Behandlung beginnt, nachdem die ersten Symptome in Erscheinung getreten sind.

 Wirkt eine normale Grippeschutzimpfung auch gegen die Vogelgrippe?

Nein, leider nicht. Trotzdem ist es sinnvoll, sich impfen zu lassen: Denn dadurch verringert sich die Gefahr, dass Menschen sich gleichzeitig mit humanen (den Menschen befallenden) Viren und Vogelgrippeviren infizieren, was die Entstehung einer von Mensch zu Mensch übertragbaren Virusvariante begünstigen könnte.

 Wo findet man aktuelle Informationen zur Vogelgrippe?

Informationen über die aktuelle Risikosituation und die derzeit empfohlenen Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahmen gibt es auf der Homepage des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Telefon-Hotline zur Vogelgrippe: 01888-7543536). Auch das Verbraucherschutzministerium (www.verbraucherministerium.de, Telefon-Hotline: 01805-768555) erteilt Informationen.